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最終更新日:2026年10月16日
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ドイツ語学ドイツ文学演習II
Thomas Manns "Der Erwählte"
Thomas Manns humoristischer Legendenroman „Der Erwählte“ bildet einen neuen Höhepunkt der deutschsprachigen Mittelalter-Rezeption nach den Werken Richard Wagners. Der Autor wendete sich dabei dezidiert von Wagners Mittelalter ab und setzte sich unmittelbar mit den Quellen der Zeit um 1200 auseinander. Er las die Vorlage, Hartmanns von Aue Verslegende „Gregorius“, im mittelhochdeutschen Original und bediente sich außerdem einer von der Germanistin Marga Bauer eigens für ihn vorgenommenen Übersetzung. Er entwarf die Vision eines europäischen Mittelalters, in dem das Deutsche mit dem Französischen und Englischen eng verfochten ist. Die Kontinuität und der Kontrast des Erwählten hinsichtlich der Josephsromane und des „Doktor Faustus“ sind aufschlussreich für Manns politische und künstlerische Entwicklung von den 1930er zu den 1950er Jahren. Das Seminar erschließt diesen kleinen Roman nicht zuletzt auf der Folie von Manns Äußerungen zum Christentum und zu den europäischen Nachkriegsverhältnissen.
Textgrundlage: Thomas Mann: Der Erwählte. In der Fassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe. Hrsg. von Heinrich Detering und Maren Ermisch. Frankfurt am Main 2025.
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